# S24-1 - Rokai konfrontiert Wrench
## Einordnung
**Kampagne:** The Masketiers
**Spielercharaktere:** [[Kailani|Rokai]], [[Valk]], [[Cruella]], [[Elyas]]
**Zeitpunkt:** Beginn Session 24 - 27.06.2026
**Ort:** An Bord der [[Rubbish_Sailor|Rubbish Sailor]]
**Beteiligte Personen:** [[Captain_Wrench|Captain Wrench]], [[Miss_Porto|Miss Porto]], [[Bartos]]
**Erzählperspektive:** Valks Perspektive
## Ausgangslage
Der nächste Morgen nach der Rückkehr der Masketiers von [[The_Veiled_Sphere|The Veiled Sphere]] und Rokais von seinem eigenen Abstecher. Nach dem Frühstück konfrontiert Rokai Captain Wrench.
## Geschichte
Valk stocherte missmutig in seinen Salat, der als Frühstück für die Crew aufgetischt wurde. *[[Great_Edamame_and_Lead_Salad|Edamame-und-Blei-Salat]].* Er rieb sich den steifen Nacken. *Blei* So ein Blödsinn. Natürlich müsste es ‘Blatt' heissen. Grossartig. Jetzt konnte er nicht mal mehr seinen eigenen Ohren trauen. Er hatte in der Nacht versucht, in diesen elfischen Trance-Zustand zu fallen statt in den Schlaf – und es gründlich vermasselt. Er war nicht nur eingeschlafen – das allein war schon ärgerlich genug – nein, er nickte in einer so unmöglichen Position ein, dass er diesen Morgen unausgeruht und wie gerädert von der bimmelnden Glocke geweckt wurde, welche die Crew zur Tagesschicht rief.
Um ihn herum erhoben sich die ersten Besatzungsmitglieder von den Tischen und machten sich an die Arbeit. Valk verspürte keine besondere Eile, es ihnen gleichzutun. Ihr Eifer kam ihm sogar ausgesprochen gelegen. Denn das bedeutete wiederum, dass er sich einfacher unbemerkt vor der Arbeit drücken konnte.
«Valk!» Cruellas leises Zischen riss ihn augenblicklich aus den Gedanken.
Er blickte fragend auf.
«Rokai. Er folgt Wrench.» Ihr strenger Blick bohrte sich in seinen. «Beschatte die beiden. Sorge dafür, dass sie keine Dummheit begehen.» Der Ernst in ihrem Gesicht genügte, um jeglichen Einwand im Keim zu ersticken. Der Rogue nickte und stand auf.
«Du auch», sagte Cruella und packte Elyas am Arm, als dieser gerade an ihnen vorbeigehen wollte.
«Was?»
Valk erhaschte nur kurz Elyas verdutztes Gesicht, ehe er sich in Luft auflöste – Cruella hatte Invisibility an Elyas angewandt. «Rokai und Wrench. Schleich dich ihnen hinterher», befahl Cruella leise den Artificer, «Und sorge dafür, dass nichts Schlimmes geschieht!»
Der Kapitän hatte seine Position am Steuerrad wieder eingenommen und wechselte einige Worte mit Miss Porto, die zu seiner Rechten stand. Rokai näherte sich ihm mit entschlossenen Schritten und blieb wenige Meter vor ihm stehen.
Valk schlüpfte zwischen Reling, aufgeschichteten Kisten und zusammengerolltem Tauwerk in den Schatten. Er hatte nun freie Sicht auf das Achterdeck. «*In Position*», meldete sich Valk mit Message an Cruella.
«Ah. Rokai-!» Captain Wrench wandte sich freundlich um, um den Besucher zu grüssen, doch der Ork schnitt ihm das Wort ab: «Was weisst du über Te Vaerua?»
Das Lächeln des Kapitäns erstarrte. Eine Weile musterte er Rokai schweigend. «Ich… kann mich nicht erinnern, sie jemals getroffen zu haben», sagte der Tiefling schliesslich. Jedes Wort wirkte sorgfältig gewählt. «Aber ich habe viele Geschichten über sie gehört. Auch über ihr… *tragisches* Ende.» Er richtete seinen Blick wieder auf die See. «Wenn du mich fragst, ich würde einen grossen Bogen um ihre Ruinen machen.»
«Ich glaube, du lügst.» Rokais Stimme war tief und ruhig, doch darunter lag eine Drohung, die selbst über das Knarren der Planken und das Schlagen der Segel hinweg deutlich zu hören war.
«Etwas mehr Respekt!», fuhr Miss Porto ihn an. Sie machte einen wütenden Schritt auf den Ork zu. Captain Wrench hob beschwichtigend die Hand. Mit einem Seitenblick befahl er seiner Ersten Offizierin, sich zurückzuhalten. Dann wandte er sich Rokai zu: «Das ist eine ziemlich schwere Anschuldigung. Hast du denn auch einen Beweis?» Er sprach ruhig und klar – doch Valk bemerkte die Angst in seinem Gesicht aufflackern.
«Ich habe gegen dich gekämpft», antwortete Rokai wütend, «ich erinnere mich.»
Überrascht runzelte Valk die Stirn, während er mit Message Cruella auf den Laufenden hielt. Rokais Aussage stand im Widerspruch zu dem, was er den Masketiers erzählt hatte. Wrench riss die Augen auf und seine Brauen zogen sich voller Angst und Anspannung zusammen.
«Können wir das später besprechen?», fragte Wrench vorsichtig. Er warf einen flüchtigen Seitenblick auf Miss Porto. «Vielleicht zusammen mit deinen Gefährten? Unter Deck?»
«Nein. Du erzählst es jetzt. Hier. Vor den Augen aller, hier.»
Valk fluchte lautlos. Rokai hatte Wrench in eine Ecke gedrängt und drohte wütend. Auf seinem eigenem Schiff. Vor dessen Besatzung. Musste er jetzt eingreifen? Aber wie? Valk liess den Blick über das Deck wandern und suchte nach Möglichkeiten.
Wrench stiess geräuschvoll die Luft aus. Seine Schultern sanken und für einen Moment liess er den Kopf hängen. «Irgendwann musste es wohl rauskommen», murmelte er und seufzte. Miss Porto starrte ihren Kapitän konsterniert an. Doch Wrench bat sie bloss, an seiner Stelle das Schiff auf Kurs zu halten.
Er trat zwei Schritte zurück und liess eine Hand gedankenverloren auf das Geländer vor dem Steuerrad ruhen. «Es gab eine Zeit», begann er, «da waren wir eine gute Piratencrew. Oder zumindest eine bessere als später.» Ein schwaches, bitteres Lächeln zuckte über sein Gesicht. « Damals war die Piraterie… nobler. Ehrwürdiger. Wir hatten einen Codex. Und ich hatte eine ausgezeichnete Mannschaft.» Sein Blick verlor sich irgendwo jenseits des Horizonts. «Es lief gut. Bis zu jenem Tag.»
Er stützte sich nun mit beiden Händen am Geländer.
«Wir waren auf Plünderfahrt», fuhr Wrench fort. «Wir wollten nur etwas zu essen. Etwas zu trinken. Und in dieser Region fanden wir ein kleines Dorf. Wir gingen etwas abseits vor Anker und setzten über.» Seine Finger spannten sich um das Holz. «Wir waren ehrbare Piraten. Wir hatten Regeln. Wir verletzten niemanden.» Wrench schluckte. «Doch während der Plünderung verlor ich das Bewusstsein.» Seine Stimme war leiser geworden. «Und als ich wieder zu mir kam, lag alles in Asche.»
Miss Porto erstarrte.
«Es sah aus wie ein Schlachthof.» Wrenchs Stimme begann zu zittern. «Ich hatte den eisernen Geschmack im Mund. Blut. Überall war Blut. Ich war durstig – aber nicht auf Wasser. Blut war sogar auf meinen Zähnen… auf meinen… Eckzähnen. Ich war… allein, ganz allein.» Wrench schloss die Augen und verzerrte sein Gesicht zu einer Grimasse. Als kämpfte er gegen etwas an, das längst geschehen war, aber dennoch nicht vorüber ging. Seine Stimme war nun nur noch ein gepeinigtes Flüstern. «Dieses Grauen, diese Schuld kannst du dir nicht vorstellen… Ich vergrub die Erinnerungen. Ich schwor, keiner unschuldigen Seele je wieder zu schaden. Ich begann Tiere zu essen. Anstelle von Menschen. Aber sie waren… zu schmackhaft.»
Valk schluckte. Er nahm sich vor, Wrench nicht mehr zu nahe zu kommen. Nur so zur Sicherheit.
«Ich suchte nach Erklärungen. Heilmittel für meinen Zustand.» Wrench verzog die Lippen zu einer schmalen Linie. «Ich traf einige Heilzauberer, die mir rieten, zum Ursprung zurückzukehren. Dorthin, wo alles begann.» Er öffnete die Augen wieder. «Also tat ich es.» Es sah Rokai nun direkt an. «Ich kehrte zurück und ging ich in den Wald, so wie man mir geraten hatte. Aber ich kann mich nicht erinnern, was danach geschah.» Er senkte seinen Blick und schüttelte sachte den Kopf. «Ich erinnere mich nur daran, wie ich den Wald wieder verliess. In meiner Hand hielt ich diesen seltsamen Kohlkopf. Geformt wie ein Herz. Und damit kann ich wieder in der Sonne gehen. Und ich habe kein Verlangen mehr, Blut zu trinken.»
Valk wartete auf die Fortsetzung der Geschichte – Rokai fand, er habe genug gehört. Mit einem zornigen Brüllen ging er auf Wrench los. Erschrocken beschwor Valk die Mage Hand. Er hatte keinen Plan, aber nichts tun war auch keine Option mehr.
«Genug!»
Die tiefe Stimme des Bronzedrachen erschallte über das Achterdeck mit einer Wucht, dass das Holz vibrierte. Alle froren augenblicklich in ihrer Bewegung ein. Bartos hatte seine menschliche Gestalt angenommen und trat zornig auf das Deck. «Als ob noch mehr Gewalt jemals den Kreis der Wut und der Rache gebrochen hatte.» Er stellte sich zwischen Rokai und Wrench und musterte beide abwechselnd. «Ich denke, für euch beide wäre es gut, einen Weg zur Wiedergutmachung zu finden. Für dich, Rokai», er wandte sich an den Ork zu, der noch immer vor Wut bebte, «indem du lernst, mit dem Verlust und der Vernichtung deines Stammes weiterzuleben. Und für dich, Wrench – » Der Kapitän zuckte leicht zusammen. «Indem du deine bisherige Lebensweise als Pirat hinter dir lässt. Ich dulde keine Piraterie. Finde einen anderen Weg. Tu etwas anderes. Aber zunächst: Hilf Rokai, einen Abschluss zu finden.»
Einige Atemzüge lang blickte Wrench reglos Bartos an, ehe erneut den Kopf senkte. «Sieht so aus, als lasst Ihr mir keine andere Wahl, Herr Drache.»
## Nachwirkung
**Was hat sich für den Charakter verändert:** Rokai hat eine Spur gefunden, die zur Aufklärung helfen könnte, warum sein Stamm vernichtet werden musste.
**Wichtige Erkenntnisse oder Gefühle:** Wrenchs Perspektive und Bezug zum Untergang der [[Te_Vaerua|Te Vaerua]].
**Bedeutung für spätere Ereignisse:** Das nächste Ziel sind die Ruinen von Te Vaerua. Wrench schliesst sich den Masketiers an, bis Rokai mit dem Untergang seines Stammes abschliessen kann.