## Session 11 – Sturmwacht
***1.–2. Vaelorn 737 nBG***
*Dieser Rückblick folgt den Ereignissen des Spielabends möglichst genau. Ergänzungen oder abweichende Erinnerungen der Hüülchrieger sind jederzeit willkommen – doch diese Fassung hält fest, was die Gruppe erlebt, entschieden und voneinander erfahren hat.*
## Eine Mühle als Anfang
Noch bevor die Hüülchrieger wieder vor das Königspaar treten sollten, führte sie ein königlicher Bote zuerst zu jenem Grundstück, dessen Urkunde sie im Moor gefunden hatten. Tief im nördlichen [[Daemmerhain|Dämmerhain]], südlich von [[Sylvaner]], wartete allerdings kein fertiges Anwesen auf sie. Zwischen Wald, Bach und feuchtem Stein stand eine verlassene Wassermühle, deren bessere Tage sehr offensichtlich hinter ihr lagen.
Die Bruchbude war trotzdem ihr erster eigener gemeinsamer Ort. Für den Anfang wurden drei Räume festgehalten, und [[Alarion]] erklärte sich bereit, die Verwaltung der künftigen Bastion zu übernehmen. Das Startkapital aus den vergangenen Ereignissen blieb für den Ausbau vorgesehen; vom Königshaus kam vorerst keine zusätzliche direkte Geldzahlung. Stattdessen versprach die Krone praktische Hilfe: Für die ersten drei Monate würden königliche Bauleute den Wiederaufbau unterstützen. In dieser Zeit sollten **Baukosten und Bauzeit halbiert** werden.
Aus einer verlassenen Mühle war damit zumindest auf dem Papier der Anfang einer Bastion geworden – mit viel Arbeit, wenig Komfort und bereits der Frage, wie man dort irgendwann einen gewissen orkischen Professor unter kontrollierten Bedingungen forschen lassen könnte.
## Stimmen am Hof
Noch am selben Tag kehrten die Hüülchrieger nach [[Ardalyn]] zurück. [[Lyriel]] erschien verkleidet und hielt sich während der Audienz eher im Hintergrund. Im Palast wurden sie von [[Koenig_Aldric_von_Ardaloria|König Aldric]], [[Koenigin_Elara_von_Ardaloria|Königin Elara]] und vier Mitgliedern ihres Beraterkreises empfangen.
Aldric kam schnell zum Wesentlichen. Über das königliche Nachrichtennetz waren Berichte über die bisherigen Erfolge der Hüülchrieger eingetroffen, und er bedankte sich ausdrücklich für die Informationen, die sie aus [[Aetherwind]], [[Moonshadow]] und zuletzt [[Luneth]] mitgebracht hatten. Besonders die Erkenntnisse über das [[Mutationsserum]], die grotesken Veränderungen in Kharzoks Labor und die Verbindung zur [[Dunkle_Wacht|Dunklen Wacht]] machten klar, dass aus einzelnen merkwürdigen Vorfällen längst eine grössere Bedrohung geworden war.
Diesmal sprach allerdings nicht nur der König. Vier Mitglieder seines Beraterkreises brachten sehr unterschiedliche Blickwinkel in das Gespräch.
[[Horm_Bedesta|Horm Bedesta]], der menschliche Landmeister, beschäftigte sich weniger mit grossen Worten als mit dem neuen Grundstück der Gruppe. Er kannte die Urkunde, die Mühle und die damit verbundenen Wasser- und Wegrechte und bestätigte die praktische Unterstützung für den Wiederaufbau. Aus seinem Bereich kam die Zusage, königliche Bauleute zur Verfügung zu stellen. Damit würden für die ersten drei Monate **Bauzeit und Baukosten halbiert**. Zugleich machte er deutlich, dass aus einem Grundstück am Bach auch Verantwortung für Wege, Wasserlauf und Umgebung entsteht.
[[Kura_Metzing|Kura Metzing]], die halblingische Schatzmeisterin, rückte die Sache sofort wieder auf Zahlen und Grenzen zurück. Die Krone würde helfen, aber nicht einfach einen Sack Gold auf den Tisch stellen. Vor allem die Aussicht, dass [[Dr._Kharzok_Vaelmyr|Kharzok]] irgendwann in der Bastion weiterforschen könnte, verlangte nach klaren Regeln. Unterstützung beim Bau war das eine; einem Mutationsforscher unbegrenzte Freiheit zu finanzieren, etwas völlig anderes.
[[Urfa_Derbo|Urfa Derbo]], kräftig gebaut und goliathische Kriegsmeistere, interessierte sich dagegen kaum für die Mühle. Hen wollte wissen, was die Hüülchrieger tatsächlich über den neuen Feind herausgefunden hatten und wie sie handeln würden, wenn aus Investigation eine offene Eskalation würde. Die Gruppe berichtete von Mutationen, der möglichen Weitergabe der Veränderungen und davon, dass bislang kein Gegenmittel bekannt ist. Für Urfa war entscheidend, dass Zivilisten und verwertbare Beweise im Ernstfall nicht einem spektakulären Sieg geopfert werden.
[[Veilora_Selethas|Veilora Selethas]], die Eflin und Volksvertreterin, brachte das Gespräch schliesslich zurück zu den Menschen, die von all dem betroffen sein könnten. Besonders beunruhigte sie die Vorstellung, dass das Mutationsserum irgendwann nicht mehr nur als Werkzeug der Dunklen Wacht oder für Experimente eingesetzt wird, sondern seinen Weg in die Bevölkerung findet. Wenn Menschen beginnen würden, es freiwillig zu verwenden, etwa um stärker, belastbarer oder weniger schmerzempfindlich zu werden, könnte daraus sehr schnell ein neues Drogenproblem entstehen – mit Folgen, die sich kaum noch kontrollieren liessen. Für Veilora war deshalb entscheidend, nicht nur die Herstellung und Verbreitung des Serums zu stoppen, sondern auch zu verhindern, dass es überhaupt als begehrenswerte Substanz wahrgenommen wird.
Am Ende blieb die unmittelbare Aufgabe trotzdem dieselbe: Die [[Dunkle_Wacht|Dunklen Wacht]] und ihre Lieferwege mussten weiter verfolgt werden.
## Der Auftrag nach Sturmwacht
Der nächste Weg führte nach [[Stormwatch]]. Dort sollte die Gruppe verdächtige Warenströme untersuchen und mehr über die Verbindung zwischen [[Wolkenschinder|Wolkenschindern]], [[Khalite]], Mutationsserum und Dunkler Wacht herausfinden. Die königliche Agentin [[Calyn_Sternauge|Calyn Sternauge]] arbeitete bereits undercover in der Hafenregion. Das Königshaus konnte keinen sicheren Treffpunkt nennen; ihre Position wechselte, und offene Kontaktaufnahme hätte ihre Tarnung gefährdet.
Für die Reise stellte die Krone ein Schiff zur Verfügung. Statt mehrere Tage über Land zu reisen, folgten die Hüülchrieger dem [[Aaravon]] Richtung Stormwatch.
## Sechzehn Stunden Aaravon
Die Fahrt selbst verlief ruhig. Für [[Calypso]] war sie trotzdem ein Abenteuer eigener Art. Schon früh wurde klar, dass ihre Verbindung zur Natur nicht automatisch eine Freundschaft mit schwankenden Schiffsböden einschloss. Einen grossen Teil der Reise verbrachte sie deutlich seekrank in der Nähe der Reling, während verschiedene gut gemeinte Vorschläge aus der Gruppe ihren Zustand nicht unbedingt verbesserten.
Gegen Mitternacht tauchte schliesslich [[Stormwatch]] vor ihnen auf: eine grosse, verwinkelte Hafenstadt mit Kanälen, Kais und mediterran wirkenden Häusern. Selbst zu dieser späten Stunde war noch Betrieb. Boote lagen an den Anlegern, in den Gassen bewegten sich Hafenleute und Reisende, und irgendwo wurde praktisch immer noch Ware geschoben, getragen oder verzollt.
## Bier, Fischsuppe und klare Hausregeln
Die erste Nacht verbrachten die Hüülchrieger im [[Zum_Rostigen_Anker|Rostigen Anker]]. [[Nadiya_Sorel|Nadiya Sorel]] empfing sie in einer warmen, einfachen Hafenschenke, die nach Fischsuppe, nassem Tauwerk und starkem Bier roch. An den Tischen sassen Captains, Schiffsleute, Stammgäste und Hafenarbeiter; manche noch beim Essen, andere bereits deutlich länger beim Trinken.
Nadiya liess die Neuankömmlinge nicht lange unversorgt. Auf die Frage nach dem stärksten und besten Bier des Hauses kamen grosse Humpen auf den Tisch. Für die noch immer angeschlagene Calypso wurde zunächst ein Kräutertee organisiert, während Alarion und Lyriel das Weizenbier deutlich enthusiastischer angingen. Calypso liess sich später ebenfalls zu einem Versuch überreden – und wirkte danach immerhin etwas weniger seekrank.
Nadiya blieb freundlich, stellte aber sehr schnell klar, wie ihr Haus funktionierte: **kein offener Drogenhandel, keine nächtlichen Magieexperimente und keine Bar Fights**. Die Zimmer waren vorbereitet, Johannes hatte sich um die Betten gekümmert, und eigentlich hätte die Gruppe damit einfach schlafen gehen können.
Eigentlich.
Stattdessen hörten sich die Hüülchrieger noch im Gastraum um. Zwischen dem allgemeinen Hafengerede fiel auf, wie angespannt besonders die Arbeiter wirkten. Das [[Zollhaus_von_Stormwatch|Zollhaus]] war offenbar vollkommen überlastet. Waren wurden in grossen Mengen bewegt, die Werften kamen mit Reparaturen kaum nach, und für gründliche Kontrollen fehlten zunehmend Zeit und Personal. Stormwatch war geschäftig – aber genau diese Geschäftigkeit schuf Lücken.
Lyriel bekam zusätzlich ein Gespräch mehrerer Captains mit. Sie lästerten über einen Mann namens **Georg**, dessen Verhalten sich in den letzten Wochen stark verändert habe. Er trinke mehr, seine alte Crew sei ersetzt worden, und einer der Seeleute erinnerte sich an verdächtige kleine Behälter bei einer Lieferung. Behälter, die ihn an [[Spice]] erinnerten.
Damit hatten die Hüülchrieger ihren ersten Ansatzpunkt für den Morgen: die [[Die_Gewuerzhallen|Gewürzhallen]].
Alarion hatte unterdessen einen anderen Ansatzpunkt gefunden: herauszufinden, wie stark das Hausbier wirklich war.
Die Antwort kam am nächsten Morgen.
## Ein sehr langer Nachhall des Weizenbiers
Während die anderen langsam wieder einsatzbereit waren, stellte sich bei Alarion heraus, dass das Bier des Rostigen Ankers seinen Namen verdient hatte. Er war auch nach dem Schlaf noch deutlich betrunken. Calypso war davon alles andere als begeistert und opferte schliesslich *Lesser Restoration*, damit die Ermittlungen nicht mit einem halbwegs funktionsfähigen Sorcerer beginnen mussten.
Danach ging es zu den Gewürzhallen.
## Drei Amulette und eine halbe Spice-Dose
Die [[Die_Gewuerzhallen|Gewürzhallen]] waren das Gegenteil eines ruhigen Ermittlungsortes. Händler riefen durcheinander, Säcke und Kisten standen zwischen den Ständen, überall roch es nach fremden Gewürzen und Waren aus weit entfernten Regionen. Calypso versuchte, all diese Eindrücke gleichzeitig aufzunehmen – und blieb prompt bei einem jungen Dragonborn hängen, der Amulette verkaufte.
Der Händler war begeistert, endlich interessierte Kundschaft vor sich zu haben. Noch bevor Calypso wirklich entschieden hatte, ob sie überhaupt etwas kaufen wollte, hingen bereits mehrere Amulette um ihren Hals. Sie suchte allerdings etwas Magisches, im besten Fall sogar etwas, in dem sich ein Begleiter unterbringen liesse. Der Händler musste sie enttäuschen: Seine Ware war hübsch, aber nicht magisch. Seine Verkaufsfreude litt darunter kaum.
Während Calypso beschäftigt war, zog auch Alarion Aufmerksamkeit auf sich, indem er den Händler mit nur entfernt drakonisch klingenden Lauten ansprach. Lyriel suchte derweil weiter nach der eigentlichen Spur. Hinter einem Stand bemerkte sie an einem Pfosten beziehungsweise einer Mauer das bekannte Zeichen der [[Wolkenschinder]]. Mit bemerkenswerter Leichtigkeit schlich sie sich an der Rückseite vorbei und fand dort den unteren Teil einer geöffneten **Spice-Dose**. Darin befanden sich noch Reste der Droge.
Spice war Lyriel kein unbekannter Begriff. Das verbotene und stark abhängig machende Rauschmittel verbindet Bestandteile aus [[Moonshadow]] mit chemisch behandeltem [[Khalite]]. Es kann Konsumierende zunächst ungewöhnlich wach, furchtlos und schmerzunempfindlich machen, bevor Erinnerung, Schlaf und Körpergefühl zunehmend leiden. Lyriel kannte aus früheren Erfahrungen auch schwere Überdosierungen, bei denen die Überaktivität des Körpers bis zum tödlichen Zusammenbruch eskalieren konnte.
An dieser Probe stimmte jedoch etwas nicht. Gewöhnliches Spice war ihr eher in rötlichen Tönen bekannt. Die gefundenen Reste zeigten zusätzlich eine **grünliche Verfärbung**.
Während die Gruppe noch darüber sprach, hörte Calypso ein kleines Metallstück zu Boden fallen und unmittelbar danach schnelle Schritte. Sie fand den passenden Deckel der Dose und machte die anderen darauf aufmerksam. Lyriel reagierte sofort, entdeckte stark verschmutzte humanoide Fussspuren und versuchte, der unbekannten Person durch die Menge zu folgen – doch die Spur verlor sich zwischen Händlern und Kundschaft.
Probe und Deckel wurden schliesslich gesichert und im **Bag of Holding** verstaut. Ob die grüne Verfärbung tatsächlich mit dem Mutationsserum zusammenhängt, blieb offen.
## Das Zollhaus, eine Maus und ein Büsi
Beim [[Zollhaus_von_Stormwatch|Zollhaus]] bestätigte sich der Eindruck des Vorabends. Fracht wurde in grosser Menge entladen, verschoben und weitertransportiert, während die einzige dort sichtbare Angestellte kaum noch hinterherkam. Einige Hafenleute wirkten gestresst und improvisierten von Kiste zu Kiste. Andere bewegten sich dagegen auffallend selbstsicher und koordiniert und kümmerten sich immer wieder um dieselben ausgewählten Transportschiffe.
Calypso beschloss, aus der Beobachtung eine nähere Untersuchung zu machen. Mit **Wild Shape** verwandelte sie sich in eine Maus, verschwand zwischen Kisten und Beinen und gelangte auf eines der verdächtigen Schiffe.
Dort fand sie grob zusammengenagelte Holzkisten mit Siegeln, die jenen des Königshauses ähnelten. Nur waren sie bei genauerem Hinsehen erstaunlich schlecht gemacht – eher handgemalt als offiziell geprägt. Calypso zwängte sich in eine der Kisten und erkannte im wenigen Licht zahlreiche Glasfläschchen, mehrere Dosen und auffällig **grüne Flüssigkeiten**.
Dann kratzte draussen etwas an der Kiste.
Eine Katze.
Während Calypso als Maus wenig Interesse daran hatte, herauszufinden, wie ernst die Katze ihre Arbeit nahm, reagierte die Gruppe ausserhalb. Das ziemlich zerzauste schwarze Hafenbüsi wurde kurzerhand von Lyriel als entlaufenes eigenes Tier ausgegeben. Die Geschichte funktionierte erstaunlich gut, und noch besser funktionierte der Umgang mit der Katze selbst: Wenig später schnurrte sie zufrieden in den Armen von Lyriel, während Calypso unbemerkt wieder vom Schiff kam.
Das Büsi bekam später etwas zu essen. Die verdächtige Fracht war allerdings wichtiger.
Die einzige vor Ort sichtbare Zollbeamtin, die junge und sichtlich hektische **Sva Tern**, wurde auf die gefälschten Königssiegel und die grünen Flüssigkeiten aufmerksam gemacht. Mit genügend Nachdruck hörte sie tatsächlich zu, doch das betreffende Schiff war zu diesem Zeitpunkt bereits unterwegs und fuhr den [[Aaravon]] hinauf. Für eine offizielle Eskalation verwies sie die Hüülchrieger an [[Praefektin_Lysera_Valcor|Präfektin Lysera Valcor]] im [[Palazzo_der_Fuenf_Anker|Palazzo der Fünf Anker]].
Die Gruppe entschied, vorerst nicht dort aufzutauchen. Sie hatte Beobachtungen – aber noch keinen Beweis aus der Kiste selbst.
## Lyriel, Hafeninspektorin
Stattdessen versuchte Lyriel etwas, das deutlich besser zu einer Rogue passte. Mit einer *Spell Scroll of Disguise Self* aus Calypsos Ausrüstung verwandelte sie ihr Erscheinungsbild: gepflegte blaue Uniform, streng zusammengebundenes Haar, Brille und hochwertige Schreibutensilien. Sie wirkte damit wie eine Person, die nicht um Erlaubnis bat, sondern Kontrollen ankündigte.
Calypso blieb in der Nähe und setzte *Detect Thoughts* ein, um während der Befragung zusätzliche Reaktionen aufzufangen.
Lyriel trat auf, verlangte eine Kontrolle und wurde nach einem aussergewöhnlich überzeugenden Auftritt praktisch nicht hinterfragt. Niemand schien ernsthaft daran zweifeln zu wollen, dass diese sehr bestimmte Frau genau hierher gehörte. Über *Detect Thoughts* fing Calypso jedoch einen besonders verräterischen Gedanken auf: «Zum Glück ist die Kontrolle erst jetzt.» Für die Hüülchrieger war das ein deutlicher Hinweis darauf, dass die besonders heikle Ware, die Calypso zuvor in der Kiste gesehen hatte, bereits vor der Kontrolle weitergeschafft worden war.
Und genau nachdem Lyriel ihre Inspektion beendet hatte und sich aus der unmittelbaren Aufmerksamkeit der Hafenleute löste, zeigte sich endlich die Person, nach der sie seit ihrer Ankunft gesucht hatten.
## Calyn aus dem Schatten
[[Calyn_Sternauge|Calyn Sternauge]] trat nur kurz an Lyriel heran. Kein grosses Wiedersehen, kein langer Bericht mitten auf dem Kai – nur genug Zeit für die Informationen, die jetzt wichtig waren.
Calyn bestätigte, dass die [[Rosso_Gilde|Rosso Gilde]] die Vorgänge im Hafen ebenfalls beobachtete. Gleichzeitig hatte sie das Gefühl, dass die Gilde ihr inzwischen selbst auf der Spur war. Wer in Stormwatch etwas über diese Organisation herausfinden oder mit ihr reden wollte, sollte beim [[Rote_Kontor|Roten Kontor]] anfangen. Noch wichtiger war ihr Hinweis für den Abend: Am **[[Alter_Suedkai|alten Südkai]]** würde ein relevanter Treffpunkt beziehungsweise eine Übergabe stattfinden.
Damit hatte die Gruppe plötzlich einen klareren Ablauf vor sich: zuerst verstehen, wer die Rosso Gilde war – und danach zum Südkai. Calyn verschwand wieder, bevor aus dem kurzen Kontakt etwas Auffälliges werden konnte.
An ihrem Arm trug Calyn ein Stoffabzeichen mit dem Logo der [[Wolkenschinder]] – ein sichtbarer Hinweis darauf, dass ihre Tarnidentität innerhalb der Organisation weiterhin bestand. Lyriel erinnerte sich dabei daran, dass sie aus der Mission in [[Aetherwind]] noch ein entsprechendes Wolkenschinder-Oberteil in ihrem Fundus hatte.
## Das Rote Kontor
Das [[Rote_Kontor|Rote Kontor]] wirkte zunächst weit offizieller, als man es bei einer Untergrundorganisation erwartet hätte. Rote Fahnen mit einem schwarzen Adler darauf, ein gepflegter Verwaltungsbereich und ein Frontdesk vermittelten eher den Eindruck eines Handelshauses als eines Treffpunkts der kriminellen Unterwelt. Nach aussen trat die [[Rosso_Gilde|Rosso Gilde]] hier als Betreiberin von Lagerhäusern und als Verwaltungsstelle für Hafen- und Handelsgeschäfte auf.
Calypso übernahm den ersten Versuch. Sie stolperte gewissermassen als neugierige, etwas überforderte Besucherin hinein und erklärte, zum ersten Mal in dieser riesigen Stadt zu sein. Die Dame am Empfang beantwortete anfangs sogar Fragen: Das Kontor verwalte Lager- und Zollgeschäfte. Als Calypsos Neugier allerdings immer weiter in Bereiche wanderte, die Touristen offensichtlich nichts angingen, änderte sich der Ton.
Zwei Goliaths neben dem Empfang machten zusätzlich klar, dass ein spontaner Rundgang durch die oberen Räume nicht vorgesehen war. Calypso wurde freundlich, aber sehr bestimmt wieder in Richtung Ausgang beziehungsweise Treppe bewegt.
Bevor die Gruppe entscheiden musste, ob sie einen wesentlich komplizierteren Weg nach oben suchte, erschien auf der Galerie über dem Empfang ein elegant gekleideter Mann im roten Mantel. Er liess den Blick ruhig über die drei wandern und blieb einen Moment länger an Lyriel hängen.
Noch bevor sich jemand vorstellen konnte, sprach er **Alarion, Calypso und Lyriel einzeln mit Namen an**. Die beiden Goliaths hielten daraufhin sofort inne; aus dem höflichen Hinauskomplimentieren wurde ohne weitere Diskussion eine Einladung nach oben. Besonders für Lyriel war die Botschaft deutlich: Ihre Verkleidung hatte am Hafen funktioniert, doch das Informationsnetz des Roten Kontors hatte die Hüülchrieger längst zugeordnet.
Der Fremde erklärte nicht im Foyer, wer er war. Er machte lediglich klar, dass ein Gespräch in seinem Büro sinnvoller wäre, und liess die Gruppe nach oben führen.
## Wein mit Meriano Ubert
Das Büro im oberen Stockwerk war dunkel, teuer und von rotem Stoff geprägt. Während im Hintergrund andere Personen ihren Geschäften nachgingen, wurden für die Gäste drei Gläser Wein bereitgestellt. Der Mann stellte sich als [[Meriano_Ubert|Meriano Ubert]] vor – Leiter der [[Rosso_Gilde|Rosso Gilde]].
Meriano brauchte nicht lange, um zu zeigen, wie gut sein eigenes Informationsnetz funktionierte. Er wusste, dass die Krone in Stormwatch ermittelte, und machte klar, dass er es nicht besonders schätzte, wenn königliche Spione in seiner Stadt arbeiteten. Er kannte sogar den Namen **Sternauge**.
Calypso reagierte darauf mit ihrer inzwischen bewährten Form der Diplomatie: direkt zum Problem. Sie berichtete von den verdächtigen Kisten, den gefälschten Siegeln, den Dosen und den grünen Flüssigkeiten. Merianos Aufmerksamkeit änderte sich sofort. Die Möglichkeit, dass in Stormwatch nicht bloss gewöhnliche Schmuggelware, sondern verändertes Serum oder ähnlich gefährliches Material bewegt wurde, interessierte ihn deutlich.
Die Hüülchrieger machten gleichzeitig klar, dass Informationen nur dann ausgetauscht würden, wenn Calyn nicht weiter verfolgt oder enttarnt wird.
Daraus entstand eine vorläufige Übereinkunft. Die Gruppe würde weiter untersuchen, was durch Stormwatch geschmuggelt wird und wer hinter den Lieferungen steht. Belastbare Erkenntnisse würden auch Meriano erreichen. Im Gegenzug sollte Calyn von der Rosso Gilde in Ruhe gelassen werden. Meriano stellte ausserdem Hilfe durch Informationen, Kontakte und Zugang in Aussicht. Eines machte er jedoch ebenfalls klar: Die Rosso Gilde würde für die Hüülchrieger **keinen offenen Krieg führen**.
Damit hatten die Hüülchrieger am Ende eines einzigen Tages nicht nur eine Probe von verändert wirkendem Spice und Hinweise auf gefälschte königliche Fracht entdeckt. Sie hatten auch eine königliche Spionin kurz getroffen und mit einem der mächtigsten Männer der Stormwatcher Unterwelt einen vorsichtigen Deal ausgehandelt.
Der Abend am Südkai stand ihnen allerdings noch bevor.
## Was die Hüülchrieger wissen
- Ihr neues Grundstück liegt im nördlichen [[Daemmerhain|Dämmerhain]] südlich von [[Sylvaner]]. Eine verlassene Wassermühle bildet den Anfang ihrer Bastion.
- [[Alarion]] übernimmt zunächst die Bastionsverwaltung. Für die ersten drei Monate halbiert die Unterstützung königlicher Bauleute Baukosten und Bauzeit.
- Das Königshaus zahlt momentan kein zusätzliches direktes Startkapital aus.
- Die Mitglieder des königlichen Beraterkreises betrachten die neue Bastion nicht nur als Belohnung: Wasser- und Wegrechte, Finanzierung, Schutzfunktion und Kharzoks mögliche Forschung bringen jeweils eigene Verantwortlichkeiten mit sich.
- [[Calyn_Sternauge|Calyn Sternauge]] arbeitet undercover in [[Stormwatch]] und hat Lyriel inzwischen kurz persönlich kontaktiert.
- Calyn bestätigte, dass die [[Rosso_Gilde|Rosso Gilde]] die Vorgänge beobachtet und dass das [[Rote_Kontor|Rote Kontor]] der richtige Zugang zu ihr ist.
- Am Abend soll am **[[Alter_Suedkai|alten Südkai]]** ein relevanter Treffpunkt beziehungsweise eine Übergabe stattfinden.
- Das Zollhaus ist so stark überlastet, dass Waren teilweise nur oberflächlich kontrolliert werden.
- Über einen Captain namens Georg kursieren Gerüchte: Sein Verhalten habe sich seit einigen Wochen verändert, sein Trinkverhalten sei auffällig und seine frühere Crew sei ersetzt worden.
- In den [[Die_Gewuerzhallen|Gewürzhallen]] wurde eine offene Spice-Dose mit Resten gefunden. Die Probe besitzt eine ungewöhnliche grünliche Verfärbung.
- Probe und Deckel befinden sich gesichert im **Bag of Holding**.
- Eine unbekannte humanoide Person verliess den Fundort der Dose und konnte in der Menge nicht verfolgt werden.
- Bestimmte Hafenarbeiter bewegen Fracht auffällig koordiniert zwischen ausgewählten Transportschiffen.
- Auf mindestens einem dieser Schiffe befinden sich Kisten mit **gefälschten königlichen Siegeln**, Dosen und grünen alchemistischen Flüssigkeiten.
- Dieses Schiff fuhr anschliessend den [[Aaravon]] hinauf.
- [[Praefektin_Lysera_Valcor|Lysera Valcor]] ist die zuständige Leiterin des Hafenrats für eine formelle Meldung.
- [[Meriano_Ubert|Meriano Ubert]] weiss von den königlichen Ermittlungen und von Calyn.
- Mit Meriano besteht eine vorläufige Vereinbarung: Calyn soll in Ruhe gelassen werden; die Hüülchrieger liefern dafür Erkenntnisse über die Schmuggelroute. Die Gilde kann Informationen und Zugänge bieten, aber keine offene Kampfunterstützung.